Eigentlich will ich diesen Film ja gar nicht verreissen. Es ist ja schließlich Harry Potter. Aber trotzdem – er hat es nicht anders verdient!
Wo fang ich an? Leere. Und Schweigen. Ich glaube, die Hälfte des Filmes ist mit Schweigen und Starren gefüllt.
Nachdem der Regisseur(David Yates), schon für die Schmach des 5. Filmes verantwortlich, aus diesem Buch den längsten Streifen der Serie gemacht hat, habe ich mich echt gefragt, was ich in diesen 153 Minuten eigentlich gesehen habe.
Ich sah, wie der Fuchsbau abfackelte, ich sah wie eine Horde Deatheaters mutterseelen allein durch Hogwarts marschierte, ich sah einen Dumbledor der Harry fragte, ob er was mit Hermine hatte (Hä?) und ich sah dermaßen viele, offensichtliche Abweichungen von der Buchvorlage, dass ich wirklich zu zweifeln begann, ob Rowling bei den Dreharbeiten wenigstens ab und zu anwesend war. Freie Interpretationen schön und gut – aber es heißt nicht umsonst Romanverfilmung. Da muss irgendwie schon ein Zusammenhang bestehen.
Doch beginnen wir von vorne. Harry Potter sitzt in einer U-Bahn Station und starrt dem Hintern einer Kellnerin hinterher, während er den Tagespropheten liest. Plötzlich taucht Dumbledor auf und nimmt ihn mit zum Haus seines neuen Lehrers. Dies ist auch insgesamt einer der wenigen Momente, bei denen sich der Film exakt an die Buchvorlage hält. Horace Slughorn ist einer der Lichtblicke dieses Films (und das sage ich nicht, weil er so Dunkel ist). Er spielt sehr überzeugend und scheint auch in das Ganze hereinzupassen. Dumbledor hingegen wirkt auf mich sehr tuntig und verplant. Er lässt Harry noch mehr in Unwissenheit schmoren, als er das ohnehin im Buch bereits getan hat.
Der Film schreitet voran, es werden neue Handlungsstränge erfunden (der Fuchsbau wird von Bellatrix zerstört in einer absolut sinnlosen und inhaltsleeren Szene), der Film verliert den Blick auf die eigentliche Handlung des Buches und schließlich hat das Finale so viel Dramatik, wie das letzte Tuppertreffen meiner Nachbarn.
Und was machen die Hauptcharaktäre sonst so? Hermine ist die ganze Zeit nur am Heulen, Harry kriegt selten einen Ton heraus, nur Ron scheint in seinem Element zu stecken und den Tollpatsch bestens zu verkörpern. Aber das macht er schon seit einigen Jahren.
Insgesamt hat man eigentlich auch den Eindruck, dass Emma Watson nicht in den Film gehört. Sie ist einfach zu gut, wenn man sich Daniel Radcliffe anguckt, dessen einziges mimisches Spiel aus einer verzerrten Grimasse zu bestehen scheint und der den emotionalen Tiefgang einer Brotbox zeigt.
Gut, für seine Größe kann er nichts (selbst Watson ist genauso groß wie er!) aber inzwischen unterscheiden sich die schauspielerischen Qualitäten der drei doch enorm. Radcliffe wirkt schlichtweg überfordert Harry korrekt darzustellen.
Lavender Brown wird sehr überzeugend verkörpert von…Jessie Cave. Ein Lob an die Schauspielerin. Auch Snape kommt böse wie eh und je rüber, obgleich das Potential seiner Rolle von den Produzenten des Filmes längst nicht ausgeschöpft wurde. Vor allem der Schlagabtauch zwischen ihm und Harry am Ende des Buches verkommt zu einem Nachmittags-Tee Geplänkel.
Und hätte man nicht jemand anderen für Ginny Weasley nehmen können? Oh man!
Zum Schluss noch eine Sache, die mir aufgefallen ist – Soundtrack Reclycling. Das wird nicht jeder merken, weil sich nicht jeder den Soundtrack des 5. Filmes gekauft hat, aber einige Stücke sind wirklich exakt gleich. Das hat nichts mit dem Thema eines Filmes zu tun, sondern mit mangelnder Kreativität. Dabei hatten die Produzenten doch so lange Zeit…
Insgesamt hat der Film nicht mehr als 4 von 10 Punkten verdient – Schade.
kavo Musik und Film